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September 2012

 

Big Bonitas Rache

So, jetzt habe ich wirklich die Schnauze voll! Die spinnen doch wohl total die vier komischen Menschen, die nun in mir hausen. Mein gemütliches Leben als Mietwohnmobil in Kanada ist nun vorbei. Man verschleppte mich nach New Jersey zu Helen und Kurt. Dort wurden mir Schränke und Bett entrissen, wieder anders eingebaut und das Bett wieder entfernt. Die wissen wohl nicht, was sie wollen. Und dann haben sie auch noch meine schöne Dusche, die noch nie jemand verwendet hat, brutal zerstört und einfach aus meinem Bauch herausgeschlagen, um dort ein Elektropflegebett hinein zu bauen. Der Kurt hat mir am meisten weh getan und einfach hier ein Brett und da eine Leiste angenagelt. Zum Glück haben sie den in New Jersey gelassen! Dann wurde ich auch noch mit allem möglichen Krempel vollgestopft. Und überall diese unästhetischen Plastikboxen. Glaubt ihr, die haben einmal nachgefragt, ob mir das überhaupt schmeckt, was sie da in meinen Bauch hineinwürgen? Und als wenn das noch nicht genug wäre, diese vier Termiten haben sich in mir festgesetzt und sind nicht mehr abzuschütteln. Echt hartnäckig diese Viecher! Nun soll ich jeden Tag weiter und immer weiter fahren. Mal hier hin, mal dorthin und dann nochmal im Kreis. Muss ich mir das wirklich bieten lassen? Außerdem meckern diese Wesen in mir immer mit meiner kleinen Freundin Lydia, dem Navigationsgerät. Sie würde den Weg nicht kennen, blöd sein und noch viel schlimmere Sachen. Das konnte ich nicht länger zulassen. Vier große Menschen auf ein kleines Navi, das ist doch echt unfair. Jedenfalls habe ich mit Lydia einen Plan ausgeheckt und die Europäer in Boston mal so richtig in die Irre geführt. Das war vielleicht lustig, kann ich euch sagen. Ihr hättet mal ihre lange Gesichter sehen müsse, wie wir sie in der Rushhour immer im Zickzack durch die überfüllte Innenstadt geschickt haben. Und Lydia hat sogar noch einen draufgelegt und die Bande durch ein Parkhaus gejagt. Leider sind sie nicht von der entgegengesetzten Richtung in den Busterminal gefahren. Das hätte nämlich 50 000 $ für den groben Kurt gegeben, weil der mich versichert hat. Wird schon sehen was er davon hat! Schade, diesmal hat es nicht geklappt, aber dafür haben wir sie zu einem imaginären Campingplatz mitten in den Häuserschluchten geschickt. Haha, reingelegt, angeschmiert mit Butter lackiert! Die nahmen doch tatsächlich an, sie haben bald Feierabend und dann mussten wir noch etwa zwei Stunden weiter fahren, bis wir zu einem kleinen Campingplatz ohne Strom im Harold Parker State Forest kamen. Das würde für`s Erste reichen, dachte ich mir. Diese Wesen sind wirklich ganz schön zäh und meckern immer weiter mit der kleinen, armen Lydia. Na gut, ich muss zugeben, sie ist wirklich nicht mehr ganz up to date, verwirrt und die Stromversorgung funktioniert auch nicht mehr so gut wie vor ihrer Demenzerkrankung.

Auf Cap Ann kam ich ins Nachdenken, ob ich vielleicht zu hart mit den Menschen in mir umgegangen war. Eigentlich waren sie ja auch ganz lustig diese Vier und sie haben mir schon viele schöne Orte gezeigt. Cape Cod war echt super. Es war einfach toll, dort am Strand zu stehen und mit King Marcel auf meiner Rampe den Sonnenuntergang zu genießen. Ich überlegte mir allen Ernstes schon Friedensangebote, die ich ihnen beim Hafenfest mit Bootsparade und Feuerwerk in Gloucester auf Cape Ann, unterbreiten wollte. Denn schließlich haben die vier Menschen vor, ein Jahr in mir zu wuseln. Da würde es richtig Sinn machen, sich mit denen wenigstens etwas zu verstehen. Ich war guter Dinge und fuhr mit ihnen zum Hafen, da steuert mich die eine Tante da in mir volle Pulle gegen einen grünen Eisenpfeiler und rammte mir das Ding in den Magen und riss mir dabei sogar einen Wasseranschlussdeckel vom Leib. Da stand ich nun verletzt auf dem Parkplatz, während sich diese Kobolde auf dem Hafenfest amüsierten. Das Friedensangebot konnten die jetzt vergessen! Sie sollten die Rache der Big Bonita zu spüren bekommen! Lydia und ich lockten die Vier noch ein paar Mal in die Irre. Das reichte aber nicht aus, um mich zu rächen. Wir schmiedeten einen fiesen Plan. Zwar fuhren mich diese Kakerlaken zu mehreren Werkstätten, aber keiner dieser Hoschies da wollte sich meiner annehmen. So stand ich da aufgerissen und blutend im Regen. Meine Rachsucht war nun voll ausgereift. Ich ließ es in mir stinken, so doll ich nur konnte. Und die Trottel dachten doch tatsächlich, es sei die Toilette. Oh man, war das lustig, wie sie ihre Nasen rümpften. Lydia und ich amüsierten uns prächtig. Am ersten Tag ließ ich nur etwas meine Gase entweichen, am zweiten Tag, als sich die komischen Leute Portsmouth anschauten, gab ich dann alles was ich konnte. Die Weiterfahrt war sichtlich eine Qual für meine Insassen. Ich hatte sie so weit, sie gaben auf. Hurra! Sie fuhren den nächsten Campingplatz an und verließen fluchtartig meinen Bauch. Ich fühlte mich frei. Dem komischen Mädchen mit den vielen Zöpfen war kotz-übel und auch der König saß leicht bleich auf seinem rollenden Thron. Das Näschthöckli rannte zum Waschhaus, um sich zu übergeben. Sogar das Campingplatzpersonal hatte etwas von meinem Attentat mitgekommen und rief sofort die Polizei, die dann auch innerhalb von Minuten mit Lalulala und der ganzen Mannschafft anrückte. Auch ihre Freunde von der Feuerwehr und Ambulanz waren in voller Zahl angetreten. Nun wurde auch mir etwas mulmig zumute. War ich vielleicht doch etwas zu weit gegangen? Vielleicht hätte ich den Gasherd nicht auf Stufe neun so lange anlassen sollen. Polizei und Feuerwehrmänner stürmten in meinen Bauch, um meinen Gasgehalt zu messen. Also es war mir schon etwas unangenehm, dass die sich so für meine entsetzlich stinkenden Blähungen interessierten. Die Männer von der Ambulanz wollten die Lütte mitnehmen, aber die wollte nicht. Zum Glück dampften die drei Mannschaften, nachdem sie viel Unruhe verbreiten hatten, endlich wieder ab. Also ich muss wirklich zugeben, dass habe ich nicht gewollt. Am nächsten Tag waren Lydia und ich auch ganz lieb und führten und fuhren die noch etwas mitgenommen Vier ganz artig zum nächsten Campingplatz im Acadia National Park in Maine. Von dort aus sind die Opfer meines Gasanschlags nochmal losgefahren, um meine Delle zu versorgen. Wieder wollte keiner meine Wunden versorgen. Schließlich wurde ich mit weißem Ducktape vorläufig aber liebevoll geflickt. Nun tut es auch gar nicht mehr so weh.  Ich muss gestehen, dass es schon recht cool ist, dass sie dann noch  „shit happens“  auf meinen Wundverband geschrieben haben. Ich glaube mittlerweile habe ich mich doch schon recht gut an meinen Insassen gewöhnt und mich auch etwas mit ihnen angefreundet. Es war wirklich keine böse Absicht, dass ich mir eine Nacht bei Canaan, als es so stark geregnet hat, aus Versehen in die Hose gemacht habe und zwei kleine Bäche durch Marcels „chambre séparée“ liefen. Und bitte glaubt mir, dass ich nichts mit dem kaputten royalen Roho-Kissen zu tun habe, welches den König vor Druckstellen während meiner holprigen Fahrt bewahren soll. Wegen des porösen Kissens stecken wir auch gerade auf dem KOA-Campingplatz bei Canaan fest. Ich hoffe sehr, dass das neue, schwer zu beschaffene Kissen bald eintrudelt und meine Reise mir den vier Menschen in mir weitergehen kann und wir noch viele atemberaubende  Landschaften sehen und gemeinsam schöne und unvergessliche Momente erleben werden.

 

Donnerndes Wasser

Der reißende Strom des Niagaras
stürzt donnert 55 Meter tief
Als ich das erste Mal da saß
War es „oh wow“ was ich rief

American und Horseshoe Fälle
sind unglaublich wenn man sie live erlebt
Wie sich jeweils eine riesen Dunstwelle
hunderte von Metern in die Höhe erhebt

In der Höhle vom Wind
ging ich ganz nah an die Klippen
klitschnass wurde ich geschwind
beim tosenden Wasser antippen

Beständig steuert die Maid of the Mist
Ganz nah an die donnernden Wasser
Was für ein Schauspiel das ist
auch hier wird man nass und nasser

Wäre es nicht schöner mit Urwaldbäumen
Stattdessen sind es Casinos und Hotelanlagen
die die Ufer der imposanten Schlucht säumen
und keine wilden Tiere die jagen

Statt Affen nur Menschenmassen
nachts erstrahlen die Fälle im kitschigen Licht
man kann es lieben oder hassen
Etwas dazwischen gibt es nicht

 

Reise in die Vergangenheit (von Beatrix)

Für zwei Tage reisen wir in die Zeit zurück, als es noch keinen Strom und keine Autos gab. Vor uns fährt eine Kutsche, die von einem Pferd gezogen wird. Wir sind ganz fasziniert. Nach einer kurzen Weile gehört das zu unserem neuen Lebensgefühl: Pferdekutsche und Autos nebeneinander.
Wir nähern uns den Amish über ihre feine Küche. Wir genießen ihr Mittagessen in vollen Zügen und brauchen für den Rest des Tages keine Mahlzeit mehr.
Wir besichtigen ein Wohnhaus und haben bei dieser Gelegenheit die Chance, mit einer Amishfrau zu reden. Wir verstehen ihr Pennsylvania-deutsch ganz gut. Das ist eine Mischung von Schwäbisch und Englisch. Sie hat aber Mühe unser Hochdeutsch zu verstehen.
Gekocht und geheizt wird mit Gas und Holz. Die Lampen funktionieren mit Gas, eine beliebte Lichtquelle ist die Kerze.
Es beeindruckt mich, dass es bei ihnen keine Kirche gibt. Sie feiern in ihrem Haus den Gottesdienst. Ein schöner Gedanke, finde ich.
Nicht so begeistert bin ich über ihr Schulsystem. Sie haben eigene Schulen, eigenes Schulmaterial. Viele Fächer werden nicht unterrichtet, andere zensiert.
Eine kleine Kutschenfahrt durfte natürlich auch nicht fehlen. Der Kutscher ist in der achten Generation in Pennsylvania. Er sagt zu Pferd und Kutsche: Gaul und Buggy.
Es gibt viele Vorschriften für Kleider, Haartracht, Heirat, Beruf u.s.w.
Wir meinen, dass die Romantik trügt.

 

Gettysburg

Wie kann es sein, dass Brüder gegen Brüder kämpfen?
Warum mussten in nur drei Tagen 5500 Menschen sterben?
Wie kann es sein, dass Erwachsene so etwas tun?
Warum können sie nicht miteinander reden?
Was geht nur in ihren Köpfen vor?

Wie kann es sein, dass diese Schlacht als etwas Positives dargestellt wird?
Warum glauben viele US-Amerikaner, dass Krieg zu Frieden führt?
Wie kann es sein, dass sie diese Schlacht für die wichtigste der Welt halten?
Warum konnte die Sklaverei nicht auf anderem Wege abgeschafft werden?
Was ist es nur, was diese Meinung vorherrschen lässt?

Wie konnte trotz  Leichenmeeren am Little Round Top weiter getötet werden?
Warum konnte nicht mal dieser Anblick die Schützen begreifen lassen?
Wie kann man nur Menschen erschießen?
Warum lernen wir nichts aus diesen schrecklichen Kriegen?
Was soll nur aus der Menschheit werden?

 

 


9 Responses to September 2012

  1. Roger aka Dübe

    Hey Staldi,

    Schön zu hören, dass die Reise soweit gut verläuft, mit den 4 komischen Menschen…

    Deine zynischen Berichte sind erstklassig, bitte weiter so! Charles Bukowski wäre stolz auf Dich.

    Viel Spass weiterhin und trinke und rauche in aller Oeffentlichkeit, trete den Amis ein wenig auf den Schlips, die brauchen das!

    Dübe

  2. Dietlinde

    Liebe Beatrix,

    ich war ja selbst jetzt 9 Tage in Limone am Gardasee mit Besuch in Venedig. Es war traumhaft schön.

    Da jetzt wieder alles beim Alten ist, werde ich mir die Fotos und Reiseberichte nach und nach ansehen.

    Danke für Deine Antworten.

    Euch Allen weiterhin „Gute Fahrt und gutes Gelingen“,

    liebe Grüße Dietlinde

  3. Gitti und Klaus

    Hallo King Marcel und Gefolge,
    wir freuen uns mit euch, dass ihr so eine schöne Reise habt und freuen uns schon auf die nächsten Bilder und Reiseberichte.
    Weiterhin alles Gute
    Gitti und Klaus

  4. Kurt Stalder

    He ihr vier Musketiere!

    Habe euren Reisebericht erst heute (21.9.) gelesen und bin ueberrascht was ihr schon bislang erlebt habt (ihr habt am Telefon kein Wort darueber verloren ….). Shit happens sometimes, zum Glueck scheint alles doch noch gut gegangen zu sein …… Gebt acht auf EUCH und Bonita – sie ist euer zuhause fuer die naechsten 10 Monate….Lydia kommt langsam ins alter – vielleicht braucht sie mal einen update. Weiterhin viel Spass, hebet sorg und denkt daran Kurt ist nicht scharf auf Souvenirs (Bussenzettel …) die zu mir reingeflogen kommen.

    Weiterhin alles Gute auf eurem Abenteuer!

    Gruess

    Kurt und Elena

  5. Susy & Heinz Bättig

    Hi Folks!
    ihr scheint’s ja recht turbulent zu haben! Hoffentlich hat King Marcel sein neues Kissen/Thron erhalten, sodass er weiterhin königlich die Reise geniessen kann- Good luck!. Herzlich grüssen Susy & Heinz

  6. Adrian & Yvonne & Co.

    Salü zäme,
    die Reiseberichte sind wirklich immer wieder der Hammer! Weiterhin viel Spass und wenig Ärger!
    Viele Grüsse aus Galgenen,
    N&L&Y&A

  7. Alex

    ALLES IN ORTNUNG BEI UNS
    UND BEI DIR UND BEI DEINEM TIM
    ICH NEME AN DU FRAGST DIR WARUM ICH DIR MIT EINEM ANTERE ATRESSE SCHREIBE
    ICH BROBIRE ES SO Gisel keller

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